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Donnerstag, 25. Dezember 2008

Die Christrose

Tochter des Waldes, du Lilienverwandte,
So lang von mir gesuchte, unbekannte,

Im fremden Kirchhof, öd und winterlich,

Zum erstenmal, o schöne, find ich dich!

Von welcher Hand gepflegt du hier erblühtest,

Ich weiß es nicht, noch wessen Grab du hütest;

Ist es ein Jüngling, so geschah ihm Heil,

Ist´s eine Jungfrau, lieblich fiel ihr Teil.


Schön bist Du, Kind des Mondes, nicht der Sonne;

Dir wäre tödlich andrer Blumen Wonne,

Dich nährt, den keuschen Leib voll Reif und Duft,

Himmlischer Kälte balsamsüße Luft.


Eduard Möricke

Dienstag, 23. Dezember 2008


Nimm blauer Abend eines Schläfe, leise ein Schlummerndes


Unter herbstlichen Bäumen, unter goldener Wolke.

Anschaut der Wald; als wohnte der Knabe blaues Wild

In der kristallnen Woge des kühlen Quells

So leise schlägt sein Herz in hyazinthener Dämmerung,

Trauert der Schatten der Schwester, ihr purpurnes Haar;

Dieses flackert im Nachtwind. Versunkene Pfade

Nachtwandelt jeder und es träumt sein roter Mund

Unter verwesenden Bäumen; schweigend umfängt

Des Weihers Kühle den Schäfer, gleitet

Der verfallene Mond über seine schwärzlichen Augen.

Sterne versinken im braunen Eichengeäst.

Georg Trakl aus Das dichterische Werk